Septembertage 24

Ein Tag im September

Tavernengespräch

„Demut des Pluralismus“

David: Solche politischen Entwicklungen „da draußen“ die machen mir Angst. In mir bewegt sich generell gerade schon so viel. Als ob etwas in mir stirbt, sich wieder gebiert. Du weißt wie ich’s mein: Mir geht’s scheiße aber das ist gut und wichtig und danach bin ich neu und es geht mir voraussichtlich besser.

Felix: Du meinst ne neue Qualität oder so?

David: Ja schon. Sowas. Vielleicht hilft die äußere Angst auch etwas in meinem Inneren loszuschieben, was sich sonst weiter versteckt hätte. Auch wenn ich über Spiritualität nachdenke gerade, was für mich immer so ein erhobenes, ein bisschen auch weltfremdes, Flüchtenswertes gewesen ist. Ich meine, egal wer ob jetzt Rumi, Hesse, Mutter Teresa, der Dalai Lama – alles was diese Menschen sagen sind subjektive Blicke aufs Geschehen Welt. Gut & Böse, was sollte man, was nicht – also moralische Kategorien…

Felix: Menschengemacht. Unsere menschlichen Sichtweisen. Wieviele sind wir hier? 7 Mrd. ? Mittlerweile wohl schon mehr. Irre.


David: Ja! Ich werd da richtig demütig. Niemand kann Wissen, was die Wahrheit ist. Alle gucken durch ihre Augen. Mag sein es sind zwei…oder drei ;D Aber es ist und bleibt die individuelle Sicht aufs Geschehen. Und das macht mich demütig.
All die Streitereien, Anfeindungen und auch Gruppen, die davon ausgehen sie hätten die Wahrheit gepachtet – das ist einfach schlicht weg Blödsinn.

Felix: Ja voll. Und dieser Blödsinn der kommt egal auf welchem Niveau – durch rechtes Geschworbel, intellektuelle Elfentürme, ganz egal – sobald die Brücken des Pluralismus abgebaut werden ist es verkappter Eigenbau mit Ausschlussgarantie.
Was du sagst, klingt für mich ein wenig wie „Demut des Pluralismus“.

David: Gibt’s das schon?

Felix: Keine Ahnung 😀

David: Na aber das mein ich. Das ist doch die absolute Grundnotwendigkeit für einen echten Dialog auf Augenhöhe. So können doch auch erst Brücken entstehen. So erst kann vertrauen ankommen, ermöglicht werden und wachsen ey.

Felix: Brücken, jaa.. das trifft’s doch. Wenn ich von meinem Standpunkt aus ne Brücke über einen Fluss oder Bach bauen will, such ich mir doch auch nicht die stelle die meilenweit drüber oder drunter liegt…

David: Demut… (nachdenklich)


Ein Tag im September

Wir sind zu dritt heute. Ich habe Brötchen besorgt, David macht Kaffee und Steffi trinkt Tee. Das Gespräch zieht sich von Sternzeichen, ehemaligen Kulturen, einer Zeit in der es „Frieden“ gab, hin zu Geld, Sex und Macht. Das Teufelsdreieck wie wir es belustigt und leicht angewidert nennen.

David: „Die unteren Chakren – diese drei“ – die hat noch keiner geschafft in Einklang zu leben, unsere Gesellschaft gleich gar nicht. In allen möglichen Abspaltungen und Versuchen von Gruppen, haben diese drei Aspekte unseres Lebens immer zu desaströser Zerstörung geführt.

Felix: Die Schatten. Die Schatten hinter diesen Themen, die wir und unsere Kultur(en) angesammelt haben sind viel zu groß, als das man sie vernachlässigen könnte. Unverdaute Lebenserfahrungen, Verletzungen und ungeschickte Handlungsweisen führten zur Perversion Ultimo: Patriarchalen Kapitalismen im Deckmantel des Fortschritts. Bäh.

Steffi: Keine Wärme, fasst es zusammen.

David und Felix nicken in sich hinein.

Felix: Wie diese Wärme aus der „Mitte“ nach „unten“ schicken?
David: Wär doch interessant etwas zu suchen, wo das schon mal funktioniert hat oder nicht?

Felix: Petra in Jordanien? Einige tauend Jahre vor Christus ist da eine Hochkultur entstanden. Andere Hochkulturen? Haben die ihr „hoch“ auf einem gesunden Dreieck aufgebaut? :>

Steffi: Commoning wie es heute „wieder“entdeckt wird, ist sicher ein guter Anhaltspunkt.
Gelingendes Zusammenleben.

Felix: Was auch Ökonomie bedeutet. Eine soziale Praktik, ohne diesen neoliberalen Schwachsinn und kapialistischem Unterbau, der Raubbau an Mensch und Natur ausübt. Reales Verbindungsglied zwischen Menschen und ihrer Umwelt.
Im Grunde entgegen aller „Wissenschaften“ sehr einfach. Müheloses Wachstum, wie es uns die Natur vormacht. Fülle kreieren. Permakultur zeigt eine kluge Variante sich die Natur zu Nutze zu machen ohne sie auszubeuten. Commons zeigt eine gute Variante um sich menschlich in Gruppen und Projekten zu begegnen.
Steffi: Würden wir auf unsere innere Stimme hören, gäbe es sehr viel weniger zu verstehen, mehr zu wissen und weniger Leid.

David: Ein Baum wächst auch von seinen Wurzeln her nach oben,…

Felix: Gier, Geiz, vorgetäuschte Großzügigkeit.

Steffi & David mit Fragezeichen auf der Stirn.

Felix: Diese Eigenschaften bringen dich heutzutage, auf der Grundlage der vorherrschenden Dynamik unseres Wirtschaftssystems am schnellsten ins Teufelsdreieck; Geld, Sex und Macht.
Eine intakte Familie oder Gemeinschaft, in der Bedingungslosigkeit herrscht und Geben und Nehmen nicht berechnet wird, in der Geld als Vertrauen fließt, Sex Kreativität bedeutet und Macht die Vieler ist…ist das Gegenteil davon oder nicht?

Wir alle verbleiben im reiben mit der Welt,
umrunden innere Welten und denken um Ecken,
die uns erlauben den Kreis zu sehen.


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Was ist es, das bleibt?
Nach all dem…
Aus Wut wurde Mut. Ich erschaffe. Neue Möglichkeiten im Feld des unbegrenzten Potenzials.

Das ist, was geschehen ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Und nun?
Versuche ich was anderes.


Das Verfasste ist entstanden über einen sich fragenden Menschen heutiger Zeit. 
Weil mir schreiben Freude bereitet,
ich (mich) dabei entdecken kann und Fragen nichts kostet ;P

CreⱯ

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