Zwischentöne

ZEIT IST GELD!

So lautet das Credo  von meinem lieben Opa Hartmut. Von ihm stammen außerdem die klugen Hinweise, dass Geld nicht stinke und ich mich doch bitte öfter waschen sollte.

Stellt man das Gut Zeit dem Gut Geld gegenüber. Und Geld ist hier verstanden als Wert-Austausch/-Schätzung (Wichtig: kein Mittel, sondern Austausch Hisself), so ist es reine Geschmacksfrage welches für Jemanden mehr wiegt. Problematisch wird es dann, wenn die Gesellschaft über ein Schuld-Geld-System funktioniert. Aber das soll hier heute nicht Thema sein. Was ist mir persönlich wichtiger, Zeit oder Geld ?

Soll die Kasse pralle klingeln oder die Zeit frei zur Verfügung stehen?

Man sagt, jetzt ist die Zeit, in der man Zeit hat. In der Studentenzeit solle man sein Leben genießen, sich austoben, „alles mit nehmen“, denn danach kommt das Arbeitsleben bis zur Rente, ..wenn man das schafft.

Mir ist Zeit wichtiger als Geld.

Warum?

Weil Zeit das für mich das so viel reichhaltigere Gut darstellt. Zeit bedeutet für mich Lebendigkeit, Gestaltung, Fülle die darauf wartet ausgeformt zu werden. Aristoteles sagte zur Zeit, sie sei : „Die Zahl der Veränderung hinsichtlich des Davor und Danach.“ Zugegeben, eine sehr nüchterne Beschreibung aber wohl präzise formuliert. Safranski sagt dazu: Zeit, ist das Spannungsfeld zwischen Vergehen und Verharren.“ Was Jeder für sich in das „Davor“ und „Danach“ packt, ist tatsächlich Frage der eigenen Art & Weise. Und Zeit als wertvolles Gut zu schätzen, würde bedeuten achtsam und behutsam mit ihr umzugehen, denn sie ist das dem Menschen Geschenkte.

Was sagt Michael Ende zur Zeit durch seine Figur des Meister Hora?

Auf Momos Frage hin, warum die grauen Herren so grau im Gesicht aussehen, sagt  Meister Hora zu ihr: “ Weil sie von etwas Totem ihr Dasein fristen“. Und weiter spricht er: „Du weißt ja, dass sie von der Lebenszeit der Menschen existieren. Aber diese Zeit stirbt buchstäblich, wenn sie von ihrem wahren Eigentümer losgerissen wird. Denn jeder Mensch hat seine Zeit. Und nur so lang sie wirklich die seine ist, bleibt sie lebendig.“ Momo fragt: „Dann sind die grauen Herren also gar keine Menschen?“ Meister Hora darauf: „Nein, sie haben nur Menschengestalt angenommen. Momo: “ Aber was sind sie dann? Hora: “ In Wirklichkeit Momo, sind sie nichts.“

So…und wer jetzt wissen möchte woher diese Grauen Herren kommen und was sie planen, sollte sich Momo besorgen und lesen 😉

Momo´s Feststellung am Ende dieses Kapitels (12.,Kapitel) ist, dass sie sich ihre Zeit von Niemandem wegnehmen lassen wird. Daraufhin sprechen die beiden darüber wo die Zeit herkommt, wo sie hingeht und wo Menschen ihre Zeit fühlen können.

Das Kapitel heißt:

(„Momo kommt hin, wo die Zeit herkommt“ / 12. Kapitel, S.159, )

Meister Hora spricht dazu:

„Denn so wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen, und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen.“

Nun, warum verortet er gerade dort die Zeit?

Meister Hora erneut:

„Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren, wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben.“

Also ist Zeit ein Phänomen? Nach Meister Hora kann es nur mit dem Herzen wirklich erfasst werden. Indem man Dauer mit etwas füllt, für das man tief im Herzen brennt, was einen bewegt oder einen mit großer Freude verbindet, schafft man Sinn. Man gibt seinen Wesensanteil adäquat in der Situation wieder.

Vielleicht hat der gute Opa Hartmut also recht wenn er sagt: Geld stinke nicht. Man riecht es nicht und man fühlt es nicht. Zeit dagegen kann man hören, wenn man genau hinhört.

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