Intellektualismus

Die Größe eines Menschen liegt in seinem Herzen, nicht in seinem Kopf, das heißt im Intellekt. (Gandhi)

Der Intellekt (von lateinisch intellectus ‚Erkenntnisvermögen‘, ‚Einsicht‘, ‚Verstand‘) ist ein philosophischer Begriff. Er bezeichnet die Fähigkeit, etwas geistig zu erfassen, und die Instanz im Menschen, die für das Erkennen und Denken zuständig ist. „Intellekt“ wird oft als Synonym für „Verstand“ verwendet, kann aber auch die Bedeutungen „Vernunft“, „Bewusstsein“ oder „Geist“ haben.

(Wikipedia)

 

Verkopfte Gesellschaft?

Man kennt das aus einer Debatte oder einer Diskussion, die man mit jemandem hat. Ein kurzer Augenblick Inne halten und Schweigen. Was würde passieren? Einen Moment lang sich besinnen und in seinem Herzen sammeln. Was würde passieren?

Wohlmöglich könnte man sich auf das wesentliche konzentrieren und mit wenigen Worten sagen, was man wirklich will.

Intellektualität schein heutzutage ein hohes Gut zu sein. Warst du nicht auf einer Universität und arbeitest „nur“ mit dem gesunden Menschenverstand, ist das fast schon peinlich. Tatsache ist, das der gesunde Menschenverstand, dem eine kritische Sichtweise angeboren ist, in Universitäten zunehmend verdrängt / ignoriert wird. Hochspezifisches „Fachwissen“ und eine dem Fach eigene Semantik / Sprache grenzt den Professor von den Doktoren und diese wiederum von den Studierenden und diese wiederum von den „normalen“ Menschen ab. Schafft es ein Wirtschaftswissenschaftler den Gehalt seines „Spezialwissens“ einfach für eine sagen wir Bürgerversammlung darzubieten? Eher unwahrscheinlich. In anderen Fächern ist das wohl ebenso eher schwierig.

Den Intellekt zu nutzen um geistig etwas zu durchdringen ist tolle Sache. Eine aktive Übersteigerung dieser Intellektualität allerdings hat etwas Arrogantes, ja etwas Überhebliches an sich. Dann zählt, wer die meisten Fremd- und Fachwörter „dropt“ und bei wem es am kompliziertesten klingt. „Wowh, der hat aber Ahnung!“ Das Ego sucht nach Anerkennung und Bestätigung, man möchte hervorstechen. Verständnis im ganzen und mit Anderen ist in dieser Sphäre untergeordnet, wenn überhaupt. In einer Diskussion, in der es um die Sache an sich geht, um Verständnis eines Sachverhaltes oder Erkenntnisgewinn für die Gruppe, oder um sich etwas klar zu machen, herrscht ein anderes Klima. Es wäre eine Atmosphäre des gegenseitigen respektierens und niemand würde für seinen Wissensstand belächelt oder gar ausgeschlossen werden. Jeder hat immer etwas wichtiges beizutragen, wie abwegig es auch Anfangs erscheinen mag. Für solch eine Runde, ist jedoch eine gewisse Reife vorausgesetzt. Wie soll man so etwas auch können, wenn man es in der Schule, in der Familie, oder sonst wo in der Gesellschaft kaum anders kennenlernt.


Einen guten Eindruck macht, wie ich finde Jürgen Habermas mit seiner Diskursethik:

Jürgen Habermas sah als Vertreter einer linguistischen Wende in der Philosophie die Sprachfähigkeit als das entscheidende Kennzeichen des Menschen. Er entwickelte in diesem Zusammenhang in Zusammenarbeit mit Karl-Otto Apel eine Diskursethik. Diskurs ist bei ihm der „Schauplatz kommunikativer Rationalität“. In diesem Sinn ist Diskurs ein argumentativer Dialog, in dem über die Wahrheit von Behauptungen und die Legitimität von Normen gesprochen wird. Was jeweils als vernünftig gilt, ist die intersubjektive, von allen Teilnehmern einer Gemeinschaft anerkannte Wahrheit.

Inhaltlich ist die Diskursethik ein Verfahren, wie man allgemeingültige (universelle) Aussagen über allgemein anerkannte Moralprinzipien ermitteln kann. Sie baut dabei auf den Konsens aller an einer Kommunikation Beteiligten, die bereit sind, sich auf vernünftige Argumente einzulassen, auf, wobei sie sich an einer idealen Sprechsituation orientieren, in der sie nur der Beschränkung einer fairen Beteiligung aller am Gespräch unterliegen. Als Verfahrensethik gibt die Diskursethik keinerlei konkrete Hinweise auf die Bewertung bestimmter moralischer Prinzipien. Diese sind jeweils erst in einem nachgelagerten praktischen Diskurs zu ermitteln und zu beurteilen.

(N 1): Argumentiere rational.
(N 2): Bemühe dich um einen vernünftigen Konsens.
(N 3): Bemühe dich in allen Fällen, in denen deine Interessen mit denen anderer kollidieren können, um einen vernünftigen praktischen Konsens mit ihnen.
(N 4): Bemühe dich stets darum, zur (langfristigen) Realisierung solcher Verhältnisse beizutragen, die der idealen Kommunikationsgemeinschaft näher kommen, und trage stets Sorge dafür, daß die schon existierenden Bedingungen der möglichen Realisierung einer idealen Kommunikationsgemeinschaft bewahrt werden!

Das ist natürlich ein ziemlich idealistisches Bild eines Diskurses aber vermittelt das, auf was es ankommt:

  • Respektieren aller Diskurs-Teilnehmer
  • Geduldiges Anhören aller Beiträge
  • Begrenzung auf den Diskursraum und Teilnehmer
  • vernünftiges Argumentieren
  • Aufzeigen und Konsensfindung entgegengesetzter Interessen
  • Reale / praktische Bezüge
  • Kein intellektueller Rassismus
  • Ethisches Verhalten aller Teilnehmer

 

Aus wissenschaftlichen Theorien folgt technisch verwertbares, aber kein normatives, kein handlungsorientierendes Wissen. (Habermas)

 

Diskurse herrschen nicht. (Habermas)

 

habermas 2

Quelle: https://www.sagdas.com/spruch/933

Habermas

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