Überfluss

Die Überflüssigmachung des Menschen als Menschen ist radikal böse.

So sprach Hannah Arendt im zuge der Nürnberger Nazi Prozesse.

In einem Konzentrationslager wurde den Inhaftierten versucht beizubringen, dass sie überflüssig waren. Sie mussten lernen, dass Strafe keinen Sinnzusammenhang mit einem Vergehen haben muss, dass Ausbeutung niemandem Profit bringen muss, dass Arbeit kein Ergebnis zu zeitigen braucht. Das Lager ist ein Ort an dem jede Regung und Bewegung prinzipiell sinnlos wird. Sinnlosigkeit also direkt erzeugt wird. Es wird ein menschliches Bild verankert, das die Wesenlosigkeit attestiert. Auf anderer Seite: Um die Pflicht als ausführendes Organ des Nazi-Regimes zu erfüllen, hatte man der Versuchung gut zu sein, zu widerstehen. Welch total verkehrte Welt. (Hannah Arendt – Der Film)

Überflüssigmachung.

Mensch sein die Bedetung zu entziehen, ist nicht nur eine Folge der Spaltung von Gewissen und Bewusstsein.

Es ist eine Abstraktion, eine Wegrationalisierung, eine Verklausulierung, letztendlich eine Mathematisierung von etwas, das sich in Zahlen nicht ausdrücken lässt.

Weil es nicht Abstrakt ist. Sondern menschlich, entzieht sich das Menschliche der Abstraktisierung. Vor allem jener in Klauseln, Zahlen und Formeln.

Die heutige Form des Kapitalismus und die sein Dasein rechtfertigende und reproduzierende Theorie des neoloberalistischen Wirtschaftens ist eine Abstraktion des Kapital sichernden Elements des Menschen. Nämlich seiner Arbeitskraft und dessen Flexibilisierung. Auch eine Spaltung von Herz & Abstraktion, also Verstandesebene. Dieses Spalten und abstrahieren des Menschlichen, ähnlich einer Kernspaltung, hinterlässt Spaltprodukte.

Spaltprodukte innerhalb der Auffassung vom Menschsein, erschaffen allerdings Möglichkeiten sich mit Spaltungen zu identifizieren und seine Verantwortung an Produkte seiner Selbst zu übertragen, die man abgespalten hat. Die im Grunde nicht mehr zu sich selbst gehören. Natürlich ist dies eine Illusion. Aber wirkungsvoll im sich entziehen. Dem entziehen von Verantwortung.

Dieses sich entziehen von Folgen und Wirkungen eigener Taten erschlafft den Menschen in seiner Stärke Mensch zu sein. Schuldbewusstsein wird somit negiert. Abgesondert.

Plötzlich wird man fähig zu funktionieren, zu arbeiten. So zu „arbeiten“, dass man einer hierarchisierten Chef-Etage gehörig folgt.

„Ein Problem der anerzogenen Weltsicht und des Drills“ (Eichmann)

Welche Weltsicht und welcher Drill wird heute anerzogen?

Wird der Kapitalismus anerzogen? Erzieht der Kapitalismus den Menschen?

Was ist mit ökonomischem Zwang? Ist das ein versteckter, gar offensichtlicher Drill am einzelnen Menschen?

Wenn das Gesetz ein ökonomisches ist und eine Armee Bürokraten dieses Gesetz ausführt, was ist es dann?

Ist das Totalitarismus?

Ist das Bürokratie? Monetarie?  Plutokratie?

Ist das soziale Marktwirtschaft?

Ist das martgerechter Sozialismus?

Ist das Wirtschafts-ismus?

Nein. Es ist Kapitalismus. Schlicht und scheiße. Hässlich und krank.

Eine Verkehrung des Menschlichen, abstrahiert in Gesetzen und Vorschriften.

Eine Umdrehung des Abstrakten in Begrifflichkeiten, die einen Zeitengeist erschaffen, der meint den Menschen als Faktor in einer Einheit für Profit(-Gier) zu erkennen.

Und das wichtigste hierbei zu Erkennende: Dieser Geist, dieses Gespenst geht davon aus, dass er der Wahrheit entspricht. Es demzufolge keine Alternativen gibt. What the hell.

Das ist nicht nur unwissenschaftlich. Das ist falsch.

Das Böse ist niemals radikal.

Das Böse ist immer nur extrem, niemals radikal.

Tief und radikal ist nur das Gute.

Was uns hilft und Stärke verleiht es zu unterscheiden, sind eigene GEdankEN.

Wenn im Herzen zentriert,

verliert es sich nicht in Gedanken.

Kommt der Mensch nicht ins wanken,

so bleibt er bei Geiste.

Herz & Bewusstsein.

Oikodizee (oikos = „Haus“, „Hauswirtschaft“ und díke „Gerechtigkeit“) ist eine Begriffsschöpfung von Joseph Vogl. Der Begriff der Oikodizee bezieht sich auf die ökonomische Sphäre. Vogl beleuchtet in seinem Buch „Das Gespenst des Kapitals“ aus geisteswissenschaftlicher Sicht kritisch das wirtschaftliche und insbesondere das finanzwirtschaftliche System und beschreibt das Phantasma der Oikodizee.[1]

Oikodizee beschreibt die Vorstellung, dass trotz aller Krisen die Märkte ausgleichend, selbstregulierend und gerecht wirken. In Anlehnung an den Begriff der Unsichtbaren Hand, den Adam Smith prägte, drückt Oikodizee aus, dass die Wirtschaftsordnung als eine Art selbstregulierendes Naturgesetz fungiert und die individuellen und egoistischen Interessen zum Gemeinwohl den Markt ausgleichend beeinflussen.[2]

Die Oikodizee beschreibt zudem den immateriellen und imaginären Teil des Wirtschafts- und Finanzkosmos, den Ökonomen konstruieren und der erst seit der Aufhebung der Deckung von Warenwert zu Geldwert existiert. Damit ist im Begriff Oikodizee auch eine Kritik am bestehenden System enthalten. Es funktioniere, obwohl es zum Teil jeder materiellen Grundlage entbehre, weil die Menschen daran glauben. Jedoch nicht nur den Glauben, auch den Handel mit immateriellen Werten in der Finanzwirtschaft selbst setzt Vogl mit der Oikodizee in einen religiösen Kontext. Vogl lehnt sich damit an den im frühen 18. Jahrhundert von Gottfried Wilhelm Leibniz geprägten Begriff der Theodizee an, welcher die Rechtfertigung Gottes beschreibt.[3] Diese Denkschule geht davon aus, dass obwohl Gott allmächtig ist, er Leid und Übel zulässt. Denn letztendlich führen sie zum Wohle aller und sind somit gerechtfertigt. Damit ist Oikodizee eine Symbiose von wirtschaftswissenschaftlichen und religionswissenschaftlichen Begriffen und weist damit Parallelen zu der Ökonomie und religiösen Vorstellungen auf.

(Quelle:Wikipedia)

 

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